Magento 1 EOL Migration zu Shopware

Magento Migration zu Shopware

Abstract

Es ist so weit – Der Magento Support läuft am 25. Juni 2020 aus. Ein allerletztes Mal hat Adobe einen Patch veröffentlicht der kritische Sicherheitslücken beseitigt. Als Agentur spielen wir diesen Patch natürlich ein, doch was kommt danach?

Ich zeige hier eine mögliche Strategie auf und erkläre sie im Detail

  • Sich bewusst werden, dass eine Migration auf Magento 2 kein Update ist, sondern eine Neuentwicklung.
  • Den operativen Betrieb des Online-Shops sicherstellen
  • Die eigene Positionierung im Markt bestimmen und das entsprechende Shopsystem auswählen
  • Eine Agentur beauftragen, zum Beispiel uns.

Der Aufwand für eine Migration

Ich beginne mit der meistgestellten Frage und beantworte diese so ehrlich wie möglich:

Wie aufwändig ist es von Magento 1 auf Magento 2 zu migrieren?

Wenn wir nicht von einem Demo-Shop reden entspricht der Aufwand einer Neuentwicklung. Magento 2 hat eine neue technische Basis und komplett neue Architekturansätze. Es gibt zwar Bestandteile die nach wie vor genau so funktionieren wie in Magento 1 aber das betrifft eher die Datenstruktur als den Code. Wir haben alte Shopsysteme in Magento 2 migriert und ich behaupte dass es sogar noch aufwändiger ist als in Magento 1.

Keine Frage, Magento 2 ist ein fantastisches System, jedoch hat es inzwischen eine Komplexität erreicht die nur zu stemmen ist indem mindestens ein Entwicklerteam Vollzeit abgestellt wird. Weiterhin ist die Software so umfangreich dass selbst kleinere Patches in umfangreichen Testsessions enden.

In unseren täglichen Gesprächen mit Kunden, Entwickler und anderen Agenturen stellen wir also fest dass man sich folgende berechtigte Frage stellt:

Wenn die Kosten für eine Migration von Magento 1 auf Magento 2 genau so hoch sind oder höher, warum nehme ich dann nicht einfach ein anderes Shop-System?

Ja, warum nicht? Wer uns kennt weiß dass wir tiefe Wurzel in der Magento-Community haben. Wir lieben Open-Source und wir lieben die Magento-Community aber wir können Magento 2 nicht immer empfehlen. Dies hat mehrere Gründe die sich wie folgt zusammen fassen lassen:

  • Magento wurde von Adobe gekauft, die Ausrichtung geht in Richtung Commerce Cloud und das Kundensegment ist Enterprise
  • Die meisten Kunden aus dem Magento 1 Umfeld sind KMU und konnten bisher darauf vertrauen dass die Community-Edition umfangreiche Features bietet. Mit Magento 2 und der Fokussierung auf Enterprise werden viele Features nur noch exklusiv für die kommerziellen Varianten verfügbar. Der Händler kommt nun zwangsläufig in ein Lizenzmodell hinein dass vorher nicht notwendig war.
  • Die technischen Voraussetzungen sind enorm. Kommerzielle Magento 2 Projekte bringen eine neue Stufe der Komplexität mit die es erfordert dass das Hosting als auch die Entwickler darauf vorbereitet sind. Wir haben hierzu eine Case Study.
  • Zumindest im deutschsprachigen Raum suchen viele ehemalige Magento-Community-Mitglieder eine neue Heimat da die diese sich nicht mehr im Adobe-Umfeld wohl fühlen. Genauer gesagt findet man diese nun verstärkt im Shopware-Umfeld.

Ist man also sowieso im Enterprise-Umfeld unterwegs und auch bereit viel Zeit zu investieren, so ist Magento 2 nach wie vor ein gutes Produkt. Ansonsten empfehlen wir auch gerne einen Blick auf Shopware, insbesondere für KMU, da es das bessere Gesamtpaket liefert. Dazu aber später mehr.

Den operativen Betrieb sicherstellen

Einen funktionierenden Shop zu ersetzen ist eine Mammutaufgabe, allerdings muss dieser nicht in erster Instanz ersetzt werden, nur weil der End of Life naht. Glücklicherweise gibt es einige gute Strategien, zum Beispiel eine stabile Codebasis mittels eines der folgenden Projekte:

  • Magento LTS ist ein von der Community aktiv gepflegtes Magento 1 Projekt mit dem Ziel dass Sicherheitslücken seitens der Community schnell behoben werden.
  • Mage ONE verfolgt die gleichen Ziele, allerdings mit einem kommerziellen Gedanken. Die Einnahmen werden hauptsächlich benutzt um Entwickler für das Fixen zu vergüten, so dass ein höherer Anreiz besteht.

Je nachdem wie das bisherige Magento 1-Projekt strukturiert ist sind die Anpassungen hierfür minimal bis überschaubar. Die Grundvorraussetzung ist aber ein unmodifizierter Core. Sehr oft bekommen wir bei der Übernahme von Legacy-Projekten mit dass nicht nach Konvention gearbeitet wurde und ein Initialaufwand besteht das Fundament wieder glatt zu ziehen.

Sind die Voraussetzungen erfüllt lohnt sich ein Blick auf die im eigenen Shop angebundenen Bezahlarten. Hier gibt es eine Karte die seitens der PSPs geradzu inflationär ausgespielt wurde - die PCI-DSS-Compliance. Das Risiko für Transaktionen wird bei einer Nichteinhaltung dieser Voraussetzung nicht seitens der PSPs übernommen. Und genau die ist nicht mehr mit dem Ende von Magento gegeben.

... Magento 1 Open Source war nie offiziell PCI-compliant. Das war immer ein Verkaufsargument für Magento 1 Commerce. Insofern wird PCI-Compliance gerade als ein „politisches“ Argument verwendet, um HändlerInnen zum Wechsel zu bewegen. ... Quelle: Mathhias Zeis

Ein Beispiel für solch ein Statement findet sich bei PayPal und hier etwas ausführlicher.

Wir empfehlen daher dringend die zeitnahe Kommunikation mit dem betroffenen Payment Service Provider. Unabhängig davon ob die PSPs Magento 1 weiterhin unterstützen wollen liegt diese Verantwortung ebenfalls bei den Drittanbieter die meistens die Erweiterungen für die Anbindungen zur Verfügung stellen. Gibt es die Hersteller dieser Erweiterungen nicht mehr oder setzen diese den Fokus auf Magento 2 um keine Ressourcen auf Legacy-Projekte zu verschwenden, so ist zumindest eine Neuanbindung von alternativen Zahlungsarten unumgänglich.

Die eigene Positionierung im Markt bestimmen

Ich weiß nun welche Möglichkeiten ich habe um den weiteren Betrieb sicher zu stellen und ich bin bereit für eine Migration, welche Software nehme ich denn nun.

Diese Frage wird jeder anders beantworten und der Artikel kann lediglich einen Anhaltspunkt schaffen.

  • Brauche ich ein hohes Maß an Individualisierung? Die Antwort gibt Aufschluss darüber ob eine SaaS-Lösung verwendet werden kann oder aber ein hoher Anteil an Individualentwicklung notwendig ist.
  • Was ist mein jährlicher Umsatz? Die meisten kommerziellen Produkte haben entweder ein abgestuftes oder aber umsatzorientiertes Preismodell.
  • Muss ich viele Fremdsysteme integrieren? Dies ist oftmals eine gute Entscheidungsgrundlage für die Wahl eines Systems. So können bestehende Konnektoren, Apps, Payment-Anbindungen in einem bestimmten Öko-System zu einer schnelleren Time-To-Market führen.

Kennt man seine eigene Positionierung, so lohnt sich auch immer ein Blick auf den Gartner-Quadrant for Digital Commerce. Ich mag dieses Diagramm ganz gerne da anhand von Fundamentaldaten als auch der Unternehmensstrategie ein schlüssiges Bild der momentanen (US-geprägten) wichtigsten E-Commerce-Produkte dargelegt wird. Ein großer Nachteil ist die Tatsache dass deutsche Firmen im mittelständischen Bereich innerhalb dieser Darstellung keine Beachtung finden. Man kann aber sagen dass alles was sich rechts oben befindet eigentlich das Enterprise-Segment ist.

Gartner

Da du den Artikel bisher schon so weit gelesen hast möchte ich eine Lanze für den deutschsprachigen Raum brechen. Wir beobachten seit mehreren Jahren die Entwicklung im DACH-Markt und sehen dass der KMU, insbesondere der umsatzstarker mittelständischer Bereich von Magento dominiert wurde. Mit der neuen Positionierung im Enteprise-Segment entsteht nun ein Vakuum dass viele verschiedene Systeme nun versuchen zu schließen. Ich bin davon überzeugt dass es im deutschsprachigen Raum nur eine Software gibt die diese Lücke füllen kann und das ist Shopware.

Warum also ausgerechnet Shopware? Wenn es um technologische Innovationsfähigkeit geht gibt es so viele tolle Systeme. Wir haben mit allen relevanten Hersteller Gespräche geführt aber kein Hersteller hat die besseren Vorraussetzungen.

  • Open-Source: Die Entwicklergemeinde wird aktiv in der Weiterentwicklung berücksichtigt.
  • State-of-the-Art: Shopware 6 hat bereits jetzt als einer der wenigen Hersteller eine überzeugende API-First Infrastruktur.
  • Kostengünstig: Es gibt ebenfalls wie bei Magento eine Community-Edition und für alle die etwas mehr wollen eine Professional-Lizenz, die wir gerne allen seriösen Händler empfehlen.


Wie geht es weiter?

Dieser Artikel wird noch weiter bearbeitet. Wir sind in der Arbeit an einen zweiten Teil der im Detail auf konkrete Schritte eingeht.